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Exzessive Mimesis und ihre Milieus

20. Juni 2017, 18.00 Uhr Domgasse 1, Expostmusik, 4. OG

Vortrag von Maria Muhle im Rahmen der Reihe "relatifs"

Ausgehend von Roger Caillois’ Untersuchungen zur Mimese geht der Vortrag dem Begriff der biologischen Mimikry bzw. Mimese als einer exzessiven, also übersteigerten und damit auch gefährlichen Nachahmung nach, die normative Gegensätze von Grund auf unterläuft. Mimesis ist damit einerseits als etwas Vitales zu denken, das auch die Existenz des Menschen betrifft. So hat bereits Platon auf die schwerwiegenden moralischen Folgen und sittlichen Zerwürfnisse hingewiesen, die die Nachahmung des Schauspielers in die wohlgeordnete Polis einführt. Andererseits wird der Begriff der Mimese unter dem Vorzeichen des »gefährlichen Luxus« auch auf seine lebenswissenschaftlichen Voraussetzungen hin befragbar, die sich besonders in der anti-evolutionistischen Neuformulierung des Bezugs von Organismus und Milieu zeigen. Damit erhält der Begriff auch noch in anderer Weise »vitale Relevanz«. Zu fragen wäre dann, ob sich die exzessive, in diesem Fall tierische Mimese über diesen lebenswissenschaftlichen Umweg wieder in eine Ästhetik einführen ließe, die Wissenschaftlichkeit, wie Caillois dies vorschlägt, jenseits der binären Gegensätze von Schöpfung und Nachahmung, Mensch und Tier, Subjekt und Objekt »diagonalisiert«. 

Maria Muhle ist Professorin für Philosophie an der Akademie der Bildenden Künste München und Leiterin des Teilprojekts „Mindere Mimesis“ der DFG-Forschergruppe „Medien und Mimesis“. Nach dem Studium der Philosophie, Spanischen Philologie und Politikwissenschaften in Madrid und Paris promovierte sie mit der Arbeit „Eine Genealogie der Biopolitik. Zum Begriff des Lebens bei Foucault und Canguilhem“. Sie forschte im DFG-Graduiertenkolleg „Repräsentation, Rhetorik, Wissen“, war wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fakultät Medien der Bauhaus-Universität Weimar, vertrat die Juniorprofessur „Medientechnik und Medienphilosophie“ an der Ruhr-Universität Bochum und war von 2012 bis 2014 Professorin für Ästhetische Theorie an
der Merz Akademie Stuttgart.

Die Veranstaltungsreihe wird von Karin Harrasser (Kunstuniversität Linz, Kulturwissenschaft),
Anne von der Heiden
(Kunstuniversität Linz, Kunstgeschichte und Kunsttheorie) und
dem Kepler Salon Linz ausgerichtet.

Einladung.pdf