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Würdigungspreis des BM für Petra Kettl

Petra Kettl erhielt für ihre Masterarbeit "Das Spiel der Zeit - eine Symphonie für 60 mechanische Uhren" den Würdigungspreis des Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft.
Petra Kettl schloss im Oktober 2015 das Studium Zeitbasierte Medien an der Kunstuniversität Linz ab, derzeit ist sie PhD-Studentin im Bereich Kulturwissenschaften.

Der Würdigungspreis des Wissenschaftsministeriums wird seit 1990 an die 50 besten DiplomabsolventInnen bzw. MasterabsolventInnen des vergangenen Studienjahres vergeben, die von den Universitäten aufgrund ihrer herausragenden Abschlussarbeiten nominiert werden.

Das Spiel der Zeit - eine Symphonie für 60 mechanische Uhren
„Es gibt tatsächlich Ereignisse, Formen oder Schwingungen, die nur dem langen, kontemplativen Blick zugänglich sind, die aber dem arbeitenden Blick verborgen bleiben, ja das Feine, das Flüchtige, das Unscheinbare, das Geringe, das Schwebende oder das Zurückweichende, die sich dem
gewaltsamen Zugriff entziehen.“ Byung-Chul Han*

Die Raum-Klanginstallation Das Spiel der Zeit ist konzipiert für 60 mechanische Uhren, 6 SpielerInnen und eine/n DirigentIn. Diese ungewarteten mechanischen Uhren bilden eine Symphonie, einen Zusammenklang.
Je nach Fabrikat und Uhrwerk unterscheiden sie sich in Klang, Gangdauer und Taktfrequenz.
Die akustischen Strukturen überlagern sich und fügen sich zu einer Klangmasse, die keine zeitliche Orientierung mehr bietet. Auf visueller Ebene wird durch das Auseinanderlaufen der Uhren eine zeitliche Orientierung ebenfalls verhindert. Eine Uhr nach der anderen verklingt, bis nur mehr ein einziger Zeitmesser zu hören ist. Wann und welcher, das entscheidet der Zufall, der im Gegensatz zur Striktheit der Partitur, nach der die Uhren aufgezogen werden, steht.
Es soll erreicht werden, dass das Publikum im Moment verweilt, das Zeitgefühl verliert, und die Uhr als vermeintliches Orientierungssystem dekonstruiert wird. Ausgehebelt wird der Glaube an die Uhr und ihre Genauigkeit, die autoritäre Unantastbarkeit, und der Glaube an sie als letzte haltbringende Bastion in einer Zeit der temporalen Zerstreuung. Mit der kulturgeschichtlichen Entwicklung der Zeitmessung und ihrer gegenwärtigen Bedeutung als vermeintlich temporalem Halt beschäftigt sich die begleitende schriftliche Arbeit zu Das Spiel der Zeit.

* Han, Byung-Chul (2014): Duft der Zeit. Ein philosophischer Essay zur Kunst des Verweilens.
Bielefeld: Transcript. 8. Auflage, S 79.

Fotos: Petra Kettl

Sektionschefin Dr. Iris Rauskala, Petra Kettl; Foto: Photostudio Haslinger, Petra Kettl