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Dr. Rainer Pachler

Kunstskandal am Beispiel von Anton Kolig
23. Februar 2005

Einführender Gastvortrag und Beginn des Kunstgeschichteseminars

Der Titel "Tabu und Skandal - zur soziologischen Wirkungsweise von Kunst" überschreibt eine mit Soziologie und Psychologie vernetzte Kunstgeschichtsforschung. Ausgehend von der nationalsozialistischen Kunstideologie und den damit in Zusammenhang stehenden Massenphänomenen, die über das Jahr 1945 hinaus in Teilen der Gesellschaft einen fragwürdigen Sieg errungen haben, wird nach Diffamierungsstrategien gegen gesellschaftskritische Kunst gefragt.

Die Geschichte des Klagenfurter Landhaussaales, dessen Ausstattung mit einem einzigartigen expressiven Freskenzyklus von Anton Kolig, wie die Vernichtung dieser Fresken durch die Nationalsozialisten, bis zur Neuausstattung durch den Enkel Cornelius Kolig und den darum entstandenen Kunstskandal am Ende des Jahrtausends, führt politische und mediale Ziele der Diffamierung vor Augen. Politische Indoktrination, im Zusammenhang mit der Gesellschaftsentwicklung in Österreich nach 1945, steht einer positiven Rezeption Tabus brechender Kunst hinderlich entgegen. Über die Einsicht in die Kunst des Wiener Aktionismus, Cornelius Koligs, Wolfgang Flatz, u. a. wird der doktrinäre Erhalt geschlossener Wertsysteme und die damit einhergehende Kultur- wie Rationalverarmung kritisch beleuchtet. Die Radikalität des Aktionismus und zeitgenössischer österreichischer Kunst gibt Hinweis auf Gesellschaftszustände. Mit dem Ziel, die Gesellschaftsrelevanz der als Korrektiv gedachten Kunst herauszustreichen, und mit dem Ziel einer Aufarbeitung und Erinnerung in einem historisch korrekt dargestellten Kontext, ist diese Lehrveranstaltung ein Appell, sich mit diesem Wissen in eine österreichische Identitätsfindung einzubringen.

Der Lehrinhalt wird von umfangreichem Bildmaterial aus der Kunst Anton Koligs, des Nationalsozialismus, Cornelius Koligs (Paradies Vorderberg, Landhaussaal Klagenfurt), der Wiener Aktionisten und anderer österreichischer Künstler begleitet. Im Vergleich mit dem soziologischen Umfeld, werden an den einzelnen Bildinhalten der Tabubruch und die Intentionen der Tabuisierung ersichtlich.